Sweet Home Oklahoma

Ein Bundesstaat trotzt dem Präsidenten

06.11.2009 A.P. Schlöglmeier

Barack Obama hat die Erwartungen in seine Präsidentschaft hoch angesetzt. Zu hoch? In Oklahoma hat man es immer schon gewusst.

Der US-Präsident ist ein Mann der Tat. Trotzdem sieht die Realität anders aus, denn auch für den Heilsbringer im Weißen Haus gilt: Politik ist Zeit und Kompromiss. In Oklahoma bekam Barack Obama so wenig Stimmen wie in keinem anderen Bundesstaat. Dort heißt es jetzt: "Yes, we can!"

Oklahoma wählt anders

In keinem der 77 Landkreise des Bundesstaates erhielt Obama die Mehrheit, das Stimmenverhältnis betrug knapp 2:1 für John McCain. Damit liefern sich Texas und Oklahoma ein hartes Gefecht um den republikanischen Bundesstaat in den Vereinigten Staaten. Als Hauptgrund für die klare Niederlage galt wohl die Angst, der Präsident würde die Waffengesetze verschärfen.

Haben die Bürger dem ersten schwarzen Präsident also von Anfang an nicht getraut und ihm nichts zugetraut, so werden ihm genau die von den Republikaner mit verursachten Verzögerungen und Kompromisse in verschiedensten Vorhaben nun zum Vorwurf gemacht. So hört man, dass der Präsident wohl in Europa oder sonst wo eine große Nummer sei, in Tulsa oder Oklahoma City will man mit einem Liberalen, der sich mit “Sozialisten und Marxisten“ umgibt größtenteils nichts zu tun haben.

Obama: Reformen, Veränderungen und Illusionen

Und die Kritik wird im ganzen Land und auch international lauter. Hat man in Europa von Anfang an bezweifelt, dass die großen Reformen zumindest nicht in dem versprochenen oder erhofften Tempo umzusetzen seien, so sah dies in Amerika ganz anders aus. Die Jugend, die Schwarzen, die Latinos, die Liberalen, alle Wählerschichten Obamas knüpften fast unmenschliche Hoffnungen in den Präsidenten. Nun bleibt der Hoffnungsträger (erwartungsgemäß) hinter seinen Träumen zurück und muss sich allzu oft kompromissbereit zeigen. Nur mehr 55 Prozent befürworten zur Zeit Obamas Politik, vor einem Jahr waren es noch 68 Prozent. Mit ambitionierten Zielen im Klimaschutz sieht sich Obama sogar einer Opposition in den eigenen Reihen gegenüber. Hier wurde bereits zurückgerudert, um den größten Plan, die Gesundheitsreform nicht zu gefährden. Bringt der Präsident dieses, sein wichtigstes Ziel durch, “so ist wohl international und auch für die Medien alles wieder gut“, meint auch Josef Braml von der Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Ein weiteres Ziel war und ist die Schließung des Gefangenlagers Guantanamo, der Truppenabzug im Irak und in Afghanistan. Davon ist man meilenweit entfernt. Keine Überraschung eigentlich und eine Amtszeit dauert ja auch mehr als ein hoffnungsvolles Jahr.

Oklahoma: Tradition und Waffen

Zurück nach Oklahoma. Hier ist die Mehrheit gegen ein soziales Gesundheitssystem und Guantanamo Symbol für ein “einträchtiges amerikanisches Volk bevor Barack Obama die Nation an den Rand des Abgrunds trieb!“ Im Irak und in Afghanistan wird ein gerechter Kampf geführt, heißt es. Hier, fernab von Washington trotzt also ein Bundesstaat den Plänen und “marxistischen Träumen“ ihres Präsidenten. Die Demokraten in Tulsa sind in der Minderheit und sehen sich von Waffennarren, streng gläubigen Christen und Unabhängigen umzingelt, die sich nichts vorschreiben lassen wollen und bereits große Pläne schmieden. Auch die Abspaltung aus der Union wird bereits angedacht. Es geht um “Gott, Familie, traditionelle Werte und die Liebe zum Land“, sagt der republikanische Abgeordnete Mike Ritze. Keine guten Aussichten also für den Präsidenten. Zumindest in den Weiten Oklahomas. Gelingen seine Vorhaben, so steht er hier als Marxist und Zerstörer amerikanischer Werte da; scheitert er, so sind ihm Spott und Hohn sicher. Denn “Oklahomans“ haben es immer schon gewusst.

Kurze Geschichte Oklahomas

Zuerst diente Oklahoma als Abschiebegebiet für die verbannten Cherokee- und Creek-Indianer. Erst 1907 wurde das Land der 46. Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

Laut Stand 2006 beträgt der Anteil der Weißen 75,4 Prozent, Schwarze stellen 7,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Indianische Volksgruppen sind mit 244.326 (6,8 Prozent der Bevölkerung) weitaus stärker vertreten als in den meisten anderen Bundesstaaten.

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State Capitol in Oklahoma City, fotosearch.com State Capitol in Oklahoma City
Staatsflagge Oklahoma, fotosearch.com Staatsflagge Oklahoma
 

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