Mit "Megan's Law" gegen Sexualstraftäter?Die systematische Veröffentlichung von Sexverbrechen in den USA
Mit "Megan's Law" sollen seit 1994 die Sexualverbrechen in den USA eingedämmt werden. Laut einer wissenschaftlichen Studie haben die Internetseiten aber keinen Erfolg.
Es beschleicht einen ein unheimliches Gefühl: Man sitzt am Rechner und klickt sich durch dutzende Verbrecherkarteien von Sexualstraftätern im Großraum Los Angeles. Man forstet sich durch Bezirke, durch Stadtteile, durch Viertel, durch Blocks, durch Straßen. Man muss öfters mal schlucken, wenn man in der Karteikarte die Verbrechensliste einiger durchliest: Vergewaltigungen, Verführungen Minderjähriger in mehreren Fällen, Misshandlungen und noch mehr. Aufgrund des kalifornischen Internetauftritts von "Megan’s Law" können Leute auf der ganzen Welt einsehen, wie viele Sexualstraftäter beispielsweise in Burbank, einem Stadtteil von Los Angeles, wohnen und vor allem wo. Veröffentlichung der Daten von SexualverbrechenMegan’s Law ist die informelle Bezeichnung eines in den USA verankerten Gesetzes, welches von den staatlichen Vollstreckungsbehörden verlangt die aktuellen Adressdaten von Sexualstraftätern uneingeschränkt zu veröffentlichen. Dadurch werden Sexualverbrecher oftmals auf öffentlich zugängigen Internetplattformen, wie die des kalifornischen Staates, registriert und sind somit für die breite Öffentlichkeit einsehbar. Die Veröffentlichung der Daten erfolgt auch in Zeitungen, Broschüren und Flugblättern. Der Anstoß zu Megan’s Law – das Vergehen an Megan Nicole KankaOffiziell beruht Megan’s Law auf dem so genannten „Sexual Offender (Jacob Wetterling) Act of 1994“ und wurde vor allem gegen Sexualstraftäter, die sich an Kindern vergriffen haben, ins Leben gerufen. Seinen inoffiziellen Namen erhielt das Gesetz durch ein brutales Vergehen an der siebenjährigen Megan Nicole Kanka. Kanka wurde von ihrem Peiniger, Jesse Timmendequas, gekidnappt, mehrfach vergewaltig und anschließend am 7. Juli 1994 ermordet. Timmendequas wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Da der Staat New Jersey 2007 die Todesstrafe abschaffte, wurde Timmendequas Strafe zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit auf Bewährung umgewandelt. 400,000 Unterschriften für die Veröffentlichung von SexualstraftäternDurch den Tod ihrer Tochter initiierten Kankas Eltern eine Unterschriftenaktion für eine Petition, die über die damals neu ins Leben gerufene Stiftung, die „Megan Nicole Kanka Foundation“, aufgesetzt wurde. Die Petition erhielt über 400,000 Unterschriften und übte somit entscheidenden Druck auf den Staat New Jersey aus. Das Gesetz wurde nur 89 Tage nach Einreichung der Petition vom Staat verabschiedet und war das erste seiner Art. Inzwischen zogen sämtliche Staaten der USA mit ähnlichen Verzeichnissen nach, unter anderem auch Kalifornien. Die Verbrecherkarteien der InternetseitenGrundsätzlich stellen die US-Staaten eigenständig einen Internetzugang über ihre offiziellen Homepages dar. Eine Ausnahme macht hierbei unter anderem Kalifornien. Die kalifornische Regierung hat eigens eine separate Internetseite aufgebaut, auf der sich die Verbrecherkarteien sämtlicher Sexualstraftäter einsehen lassen – und nicht nur die derer, die sich an Kindern vergriffen haben. Hier kann der User über die verschiedenen Bezirke einer virtuellen Karte, beispielsweise des Großraums Los Angeles, punktgenau überblicken, in welchen Straßen und sogar Häusern Sexualverbrecher derzeit bei Vollsteckungseinrichtungen gemeldet sind, obwohl in den USA keine allgemeine Meldepflicht besteht. In diesem Zusammenhang werden mit Schulen und Parks auch mögliche Brennpunkte, sowie die Dichte von Sexualstraftätern in den Bezirken angezeigt. Klickt man dann auf den Karten die blauen Kästchen an, so baut sich ein neues Fenster auf, in dem der Verbrecher mit vollständigen Namen, Bild, genauen Körpermaßen und ethnischer Herkunft abgebildet ist. Hinzu kommt die aktuelle Adresse, bekannte Tattoos und Narben, wie auch benutzte Aliase des Registrierten. Und dann ist da noch die besagte Liste der Vergehen. Dabei werden die Nummern und offiziellen Bezeichnungen der Straftaten in chronologischer Reihenfolge angegeben. So kann man allein auf der Karte von L.A. Stunden damit zubringen, sich durch die Verbrecherverzeichnisse von mal grimmig dreinschauenden, mal verschmitzt-traurig lächelnden Sexualdelinquenten zu arbeiten. Megan's Law - Ein Gesetz der Unmenschlichkeit ohne Wirkung?Von Wissenschaftlern wird die Effektivität von Megan’s Law allerdings stark bezweifelt. Im Dezember 2008 erschien eine Studie unter der Zusammenarbeit von Dr. Phil. Kristen Zgoba, Dr. Phil. Philip Witt, M.S.W (=Master of Social Work) Melissa Dalessandro und Dr. Phil. Bonita Veysey, in denen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis kamen, dass Megan’s Law keinerlei erkennbare Auswirkung auf die Reduzierung von Sexualdelikten hat. Ferner stellte sich heraus, dass Megan’s Law ebenfalls keinen Einfluss auf die erste Wiederverhaftung von Straftätern, wie auch auf die Art und Weise der Vergehen ausübt. Der entscheidende Faktor bei der Auswertung der Studie ist jedoch, dass Megan’s Law die Nummer von Opfern von Sexualstraftaten nicht reduzieren konnte. Dem gegenüber stehen zudem deutlich weniger Bewährungen für Sexualstraftäter und eine deutliche Steigerung der Unterhaltung sämtlicher Einrichtungen für die Datenarchivierung über Megan’s Law. 2007 kostete den Bezirken in New Jersey die Instandhaltung von Megan’s Law satte 3.9 Millionen Dollar. Folglich warf die Studie die Frage nach der Gerechtfertigung für Megan’s Law auf. Demnach hat die Veröffentlichung der Daten von Straftätern keinerlei erkennbare Auswirkung auf Erfolge im Kampf gegen Sexualverbrechen. Dennoch steht die Frage nach der Resozialisierung von Straftätern, sowie deren Menschenrechte im Zusammenhang mit Datenschutzrechten besonders unter dem Aspekt des Misserfolges des Gesetzes weiter im Raum.
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