50 Millionen Amerikaner nagen am Hungertuch

Studie entlarvt erschreckende Entwicklung zur Weltwirtschaftskrise

19.11.2009 Kim Bastian Bodtke

50 Millionen Amerikaner hungern während der Weltwirtschaftskrise. Dies ist die beunruhigende Bilanz einer Studie des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums.

Amerika – das Land der unbegrenzten Freiheit. Ein Mythos, der zu bröckeln droht. Denn laut einer aktuellen Studie des US-Landwirtschaftsministeriums sind die USA nicht mehr das Land der „Big Rock Candy Mountains“, wo der Speck auf Bäumen wächst und einem gebratene Tauben ins Maul fliegen. 50 Millionen Amerikaner hungern und leben an der Armutsgrenze in den Vereinigten Staaten.

Trauriger Negativrekord: 50 Millionen hungern

Die Statistik wird seit 1995 geführt. Doch die 50 Millionen nicht ausreichend versorgten Amerikaner sind in diesem Jahr der traurige Negativrekord für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dabei schlug diese beängstigende Bilanz den alten Höchstwert von 2007 um ganze drei Prozentpunkte. Das ergibt einen prozentualen Satz von 14,6 Prozent an der Armutsgrenze lebenden Haushalte.

Durchschnittseinkommen sinkt weiter

Durchschnittlich verdient der Amerikaner 50.303 Dollar im Jahr. Dies sind 3,6 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Als arm gilt in den USA eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von unter 22.025 Dollar jährlich. Für Einzelpersonen liegt der messbare Durchschnittswert bei 10.991 Dollar pro Jahr. Bei diesen Werten sind aber Subventionen der Regierungen, wie etwa Lebensmittelmarken, nicht eingerechnet. Übrigens: Auch die Anzahl der Anträge auf Lebensmittelmarken und die Nachfrage nach Lebensmittelhilfe stiegen an.

Run auf die Suppenküchen

Viele der sozialen Hilfseinrichtungen und Suppenküchen erleben einen regelrechten Run. Die Los Angeles Area Food Bank, eine gemeinnützige Essenstafel, pflichtete bei, dass Oktober 2009 der Monat mit der größten Nachfrage darstellte. Die Mitarbeiter der Food Bank beobachteten in diesem Zusammenhang allein im letzten Jahr einen Anstieg von über 50 Prozent von Bedürftigen. Viele der Bedürftigen sind arbeitslos, darunter ist ein Großteil aus der kränkelnden amerikanischen Baubranche. Andere wiederum führen Halbtagstätigkeiten oder schlecht bezahlte niedere Arbeiten wie Autowäscher aus, um sich über Wasser zu halten. Zum Überleben reicht es trotzdem kaum.

Weniger Essen oder Hilfsdienst?

Ein Drittel der unter Geldnot leidenden Amerikaner war tatsächlich gezwungen, das Essverhalten zu ändern und aß weniger. Die restlichen zwei Drittel stiegen zum Teil auf günstigere Lebensmittel um und nahmen öffentliche Hilfsdienste wie die Food Banks in Anspruch. Daher ließ sich auch der deutliche Anstieg der Nachfrage erklären.

Obama: "Besorgniserregend" - 14,7 Millionen Kinder betroffen

Laut Präsident Barrack Obama ist die Statistik „besonders besorgniserregend“, da in dem genannten Wert auch 14,7 Millionen Kinder ermittelt wurden. Dies sind ganze 4,3 Millionen mehr als noch 2007. Als möglichen Grund für den rapiden Anstieg nannte Landwirtschaftsminister Tom Vilsack die Weltwirtschaftskrise. In diesem Zuge erklärte Obama in einem schriftlichen Statement dem Hunger den Kampf. Hauptziel dabei müsse sein neue Arbeitsplätze zu schaffen. Industriezweige wie die Automobil- und Baubranche sind deutlich von der Krise gezeichnet.

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